Die Kaiserschnittrate in Deutschland erreicht neue Höchststände. Nach den aktuellsten verfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes wurde im Jahr 2024 erstmals seit der deutschen Vereinigung bei 33,0 Prozent der Klinikgeburten ein Kaiserschnitt durchgeführt. Damit kam etwa jedes dritte Kind in einem Krankenhaus per Sectio zur Welt. (Destatis)
Gleichzeitig sinkt die Gesamtzahl der Geburten. 2025 wurden in Deutschland nur noch 654.241 Kinder geboren – der niedrigste Wert seit 1946. (Destatis)
Was steckt hinter diesen Entwicklungen? Wie haben sich Kaiserschnitt, natürliche Geburt und andere geburtshilfliche Verfahren verändert? Und was sagen die aktuellen Zahlen für 2026 aus?
Die wichtigsten Zahlen zur Kaiserschnittrate 2026
Für die Einordnung des Jahres 2026 muss zwischen dem aktuellen Kalenderjahr und dem aktuell verfügbaren Statistikjahr unterschieden werden. Eine vollständige Kaiserschnittstatistik für 2026 liegt naturgemäß noch nicht vor. Die derzeit aktuellste vollständige Statistik zur Kaiserschnittrate bezieht sich auf 2024. Für die Geburtenzahlen liegen dagegen bereits endgültige Zahlen für 2025 und erste Monatsdaten für 2026 vor. (Destatis)
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Kaiserschnittrate 2024 | 33,0 % |
| Krankenhausgeburten 2024 | 654.600 |
| Kaiserschnitte 2024 | 215.900 |
| Vaginale Geburten 2024 | 60,1 % |
| Saugglockengeburten 2024 | 6,7 % |
| Geburtszangen 2024 | 0,2 % |
| Kaiserschnittrate 1991 | 15,3 % |
| Geburten 2025 | 654.241 |
| Geburtenziffer 2025 | 1,32 Kinder je Frau |
Quelle der Krankenhaus-Geburtsdaten: Statistisches Bundesamt. (Destatis)
Kaiserschnittrate erreicht historischen Höchststand
2024 wurden rund 215.900 Frauen per Kaiserschnitt entbunden. Bezogen auf die 654.600 Frauen, die in Krankenhäusern entbunden haben, entspricht das einer Quote von 33,0 Prozent. (Destatis)
Damit hat sich der Anteil seit Beginn der gesamtdeutschen Vergleichsreihe erheblich erhöht.
1991 lag die Kaiserschnittrate noch bei 15,3 Prozent. Seitdem hat sie sich damit mehr als verdoppelt. (Destatis)
Die Entwicklung lässt sich vereinfacht so zusammenfassen:
- 1991: 15,3 Prozent
- 2024: 33,0 Prozent
Der Kaiserschnitt ist damit längst kein seltenes Verfahren mehr, sondern gehört zum normalen Spektrum der modernen Geburtshilfe.
Zwei von drei Klinikgeburten sind keine Kaiserschnitte
Trotz der hohen Kaiserschnittrate bedeutet die Statistik auch: Die Mehrheit der Frauen bringt ihr Kind weiterhin vaginal zur Welt.
2024 erfolgten 60,1 Prozent der Krankenhausentbindungen auf natürlichem Weg. Zusätzlich wurden bei 6,7 Prozent der Entbindungen Saugglocken eingesetzt. Eine Geburtszange kam bei 0,2 Prozent zum Einsatz. (Destatis)
Die verschiedenen Verfahren sind allerdings nicht immer als vollständig voneinander unabhängige Kategorien zu verstehen. So können geburtshilfliche Eingriffe im Verlauf einer Geburt notwendig werden und sich aus unterschiedlichen medizinischen Situationen ergeben.
Warum steigt die Kaiserschnittrate?
Die Entwicklung hat nicht nur eine Ursache.
Zu den möglichen Einflussfaktoren gehören beispielsweise:
- höheres Durchschnittsalter der Mütter,
- mehr Risikoschwangerschaften,
- Mehrlingsschwangerschaften,
- bestimmte Vorerkrankungen,
- medizinische Indikationen,
- frühere Kaiserschnitte,
- Veränderungen in der Geburtshilfe,
- unterschiedliche regionale Versorgungskonzepte.
Aus der reinen Statistik lässt sich allerdings nicht ableiten, dass ein einzelner Faktor für den Anstieg verantwortlich ist.
Auch die Frage, ob ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig war oder vermeidbar gewesen wäre, kann eine Statistik über den Anteil der Kaiserschnitte nicht beantworten.
Kaiserschnitt ist nicht gleich Kaiserschnitt
Ein wichtiger Punkt bei der Interpretation der Zahlen: Die Kaiserschnittrate umfasst unterschiedliche Situationen.
Ein Kaiserschnitt kann beispielsweise geplant werden, wenn bereits vor der Geburt feststeht, dass eine vaginale Geburt für Mutter oder Kind mit besonderen Risiken verbunden wäre.
Daneben gibt es Kaiserschnitte, die erst während der Geburt notwendig werden.
Die Statistik des Statistischen Bundesamtes zeigt den Anteil der Entbindungen per Kaiserschnitt, unterscheidet in dieser einfachen Kennzahl aber nicht detailliert nach der individuellen medizinischen Entscheidungssituation. (Destatis)
Die Zahl der Geburten sinkt gleichzeitig
Besonders interessant wird die Entwicklung, wenn man die Kaiserschnittrate mit der Gesamtzahl der Geburten kombiniert.
2024 wurden in Deutschland 677.117 Kinder geboren. 2025 sank die Zahl auf 654.241. Das entspricht einem Rückgang von 3,4 Prozent und war der niedrigste Wert seit 1946. (Destatis)
Damit stehen zwei gegenläufige Entwicklungen nebeneinander:
Weniger Geburten insgesamt – aber ein höherer Anteil an Kaiserschnitten bei Klinikgeburten.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Eine steigende Kaiserschnittrate bedeutet nicht automatisch, dass auch die absolute Zahl der Kaiserschnitte steigt.
Was passiert 2026 bei den Geburten?
Für 2026 liegen bereits vorläufige Monatsdaten vor.
Von Januar bis April 2026 wurden nach vorläufigen und noch unvollständigen Angaben rund 204.400 Kinder geboren. Das waren 2,5 Prozent weniger als im entsprechenden Zeitraum 2025. Gleichzeitig hat sich der Rückgang gegenüber dem Vorjahr etwas abgeschwächt. (Destatis)
Eine vollständige Kaiserschnittrate für 2026 lässt sich daraus jedoch noch nicht berechnen.
Dafür werden später vollständige Daten zu den Krankenhausentbindungen benötigt.
Die Geburtenziffer fällt ebenfalls
Neben der absoluten Zahl der Geburten ist die sogenannte zusammengefasste Geburtenziffer relevant.
Sie lag 2025 bei 1,32 Kindern je Frau und damit 2,7 Prozent niedriger als 2024 mit 1,35 Kindern je Frau. (Destatis)
Damit setzte sich der seit 2022 beobachtete Rückgang fort.
Die Zahl von 1,32 bedeutet nicht, dass jede Frau tatsächlich 1,32 Kinder bekommt. Die Kennzahl beschreibt vielmehr, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt bekommen würde, wenn die altersspezifischen Geburtenverhältnisse des jeweiligen Jahres während ihres gesamten gebärfähigen Lebens bestehen blieben.
Regionale Unterschiede bei Kaiserschnitten
Die Kaiserschnittrate ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich.
2024 lag Hamburg mit 36,4 Prozent an der Spitze. Es folgten:
- Saarland: 35,9 Prozent
- Hessen: 35,6 Prozent
Besonders niedrige Werte wurden dagegen in folgenden Ländern registriert:
- Sachsen: 27,4 Prozent
- Brandenburg: 27,6 Prozent
- Berlin: 29,9 Prozent
(Destatis)
Damit liegt zwischen dem höchsten und niedrigsten Bundesland eine Differenz von rund neun Prozentpunkten.
Warum unterscheiden sich die Bundesländer?
Regionale Unterschiede müssen vorsichtig interpretiert werden.
Die Kaiserschnittrate eines Bundeslandes kann unter anderem von der Zusammensetzung der Patientinnen, der Altersstruktur, der Zahl von Risikoschwangerschaften und den regionalen Versorgungsstrukturen beeinflusst werden.
Auch die Art der Kliniken spielt eine Rolle.
Ein großes Perinatalzentrum behandelt beispielsweise häufiger komplizierte Schwangerschaften und Geburten als eine kleinere Geburtsklinik.
Deshalb lässt sich aus einer hohen Kaiserschnittrate eines Bundeslandes nicht automatisch schließen, dass dort häufiger „unnötig“ operiert wird.
Kaiserschnitt und höheres Alter der Mütter
Das Durchschnittsalter von Müttern steigt langfristig.
2024 waren Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 30,4 Jahre alt. (Destatis)
Mit zunehmendem Alter steigt bei Schwangerschaften das Risiko bestimmter Komplikationen. Das kann wiederum Auswirkungen auf die Wahl und Notwendigkeit geburtshilflicher Verfahren haben.
Allerdings wäre es zu einfach, den Anstieg der Kaiserschnittrate ausschließlich mit dem Alter der Mütter zu erklären.
Auch die Zahl der Hebammen ist relevant
Parallel zur Entwicklung der Geburtenzahlen hat sich die Zahl der Hebammen und Entbindungspfleger in deutschen Krankenhäusern verändert.
2024 waren rund 12.900 Hebammen und Entbindungspfleger in der stationären Geburtshilfe tätig. Das waren 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 88,9 Prozent waren fest angestellt, 11,1 Prozent arbeiteten als Belegkräfte. (Destatis)
Die Zahl allein sagt allerdings wenig über die tatsächliche Personalsituation im Kreißsaal aus. Entscheidend sind unter anderem Arbeitszeit, Schichtbesetzung, Teilzeitquoten und die Zahl der gleichzeitig zu betreuenden Geburten.
Der Kaiserschnitt ist ein etabliertes OP-Verfahren
Medizinisch ist der Kaiserschnitt heute ein etabliertes Operationsverfahren.
Dabei wird das Kind durch einen operativen Zugang durch Bauchdecke und Gebärmutter entbunden.
Ein Kaiserschnitt kann in bestimmten Situationen lebensrettend sein. Dazu gehören beispielsweise bestimmte akute Gefährdungssituationen für Mutter oder Kind.
Gleichzeitig handelt es sich um eine Operation und nicht um eine völlig risikofreie Alternative zur vaginalen Geburt.
Deshalb sollte die Entscheidung immer individuell und unter Berücksichtigung der medizinischen Situation getroffen werden.
Welche Risiken hat ein Kaiserschnitt?
Wie bei jeder Operation können Komplikationen auftreten.
Dazu zählen beispielsweise:
- Wundheilungsstörungen,
- Infektionen,
- Blutungen,
- Thrombosen,
- Reaktionen auf die Narkose,
- längere Erholungszeit.
Auch für spätere Schwangerschaften kann ein vorausgegangener Kaiserschnitt eine Rolle spielen.
Umgekehrt kann auch eine vaginale Geburt mit Risiken verbunden sein. Deshalb lässt sich die Frage „Kaiserschnitt oder natürliche Geburt – was ist besser?“ nicht pauschal beantworten.
Kaiserschnittquote und Geburtenzahl nicht verwechseln
Ein häufiger statistischer Fehler besteht darin, die Kaiserschnittrate mit der Zahl der Kaiserschnitte gleichzusetzen.
2024 betrug die Rate 33,0 Prozent. Das bedeutet: Ein Drittel der Krankenhausentbindungen erfolgte per Kaiserschnitt.
Die Zahl der Kaiserschnitte lag bei etwa 215.900. (Destatis)
Die absolute Zahl hängt deshalb immer auch davon ab, wie viele Frauen überhaupt im Krankenhaus entbinden.
Sinkt die Zahl der Geburten, kann eine steigende Quote gleichzeitig mit einer stagnierenden oder sogar sinkenden absoluten Zahl von Kaiserschnitten auftreten.
Warum 2026 noch keine endgültige Kaiserschnittzahl vorliegt
Bei Gesundheitsstatistiken gibt es einen zeitlichen Abstand zwischen dem Ereignis und der vollständigen Veröffentlichung.
Die Zahl der Geburten kann relativ schnell über die Meldungen der Standesämter ermittelt werden. Für detaillierte Krankenhausdaten sind dagegen umfangreichere Auswertungen erforderlich.
Deshalb ist es im Jahr 2026 sinnvoll, folgende Daten auseinanderzuhalten:
Geburten 2025: endgültig 654.241.
Geburten Januar bis April 2026: rund 204.400, vorläufig.
Kaiserschnittrate 2024: 33,0 Prozent, derzeit aktuellste vollständige Rate.
(Destatis)
Ein Blick auf die langfristige Entwicklung
Die langfristige Entwicklung ist besonders deutlich.
1991 lag der Anteil der Kaiserschnitte bei 15,3 Prozent. 2024 waren es 33,0 Prozent. (Destatis)
Die Kaiserschnittrate hat sich damit innerhalb von etwas mehr als drei Jahrzehnten mehr als verdoppelt.
Gleichzeitig ist die Geburtenzahl Deutschlands heute deutlich niedriger als in vielen früheren Jahrzehnten.
Das zeigt, dass die Entwicklung der Geburtenzahl und die Entwicklung des Geburtsverfahrens zwei unterschiedliche statistische Trends darstellen.
Was bedeutet die Entwicklung für Krankenhäuser?
Für Kliniken bedeutet eine hohe Kaiserschnittrate einen erheblichen organisatorischen Aufwand.
Ein Kaiserschnitt benötigt unter anderem:
- einen Operationssaal,
- ärztliches OP-Personal,
- Anästhesie,
- OP-Pflege,
- Hebammen beziehungsweise geburtshilfliches Personal,
- Nachsorge,
- gegebenenfalls neonatologische Versorgung.
Geburtskliniken müssen deshalb in der Lage sein, bei Komplikationen schnell von einer geplanten oder spontanen Geburt zu einem operativen Eingriff zu wechseln.
Geburtshilfe bleibt ein wichtiger Klinikbereich
Trotz sinkender Geburtenzahlen bleibt Geburtshilfe ein zentraler Bestandteil der Krankenhausversorgung.
Allerdings verändert sich die Struktur.
Weniger Geburten bedeuten für manche Kliniken eine geringere Auslastung der Geburtshilfe. Gleichzeitig müssen bestimmte Kliniken weiterhin rund um die Uhr eine hohe medizinische Kompetenz für Notfälle vorhalten.
Das kann langfristig zu Diskussionen über die Konzentration beziehungsweise Spezialisierung von Geburtskliniken führen.
Kaiserschnitt 2026: Was sind die wichtigsten Trends?
Für das Jahr 2026 zeichnen sich mehrere Entwicklungen ab.
1. Die Kaiserschnittrate liegt auf hohem Niveau
Mit 33,0 Prozent wurde 2024 ein historischer Höchststand erreicht. Ob 2025 und 2026 weitere Rekorde folgen, bleibt abzuwarten.
2. Die Geburtenzahl sinkt
2025 wurden nur noch 654.241 Kinder geboren. Damit setzt sich der Rückgang fort. (Destatis)
3. 2026 beginnt ebenfalls mit weniger Geburten
Von Januar bis April 2026 lag die Zahl der Geburten 2,5 Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2025. (Destatis)
4. Regionale Unterschiede bleiben groß
Zwischen Hamburg und Sachsen lagen 2024 fast neun Prozentpunkte Unterschied bei der Kaiserschnittrate. (Destatis)
5. Geburtsmedizin wird komplexer
Steigendes Alter der Mütter, Risikoschwangerschaften und Spezialisierung der Kliniken beeinflussen die Anforderungen an die Geburtshilfe.
Fazit: Kaiserschnitt bleibt ein zentraler Trend der Geburtshilfe
Die aktuellen Zahlen zeichnen ein klares Bild: Der Kaiserschnitt ist in Deutschland längst ein sehr häufiges Geburtsverfahren.
2024 lag die Kaiserschnittrate bei 33,0 Prozent und damit so hoch wie nie zuvor seit der deutschen Wiedervereinigung. Rund 215.900 der etwa 654.600 Krankenhausentbindungen erfolgten per Kaiserschnitt. Gleichzeitig kamen 60,1 Prozent der Frauen auf natürlichem Weg nieder. (Destatis)
Parallel sinkt die Gesamtzahl der Geburten. 2025 wurden mit 654.241 Kindern so wenige Kinder geboren wie seit 1946 nicht mehr. Die ersten Daten für 2026 zeigen, dass sich der Geburtenrückgang zunächst fortsetzt. (Destatis)
Für die Interpretation der Statistik ist deshalb entscheidend, Kaiserschnittrate, absolute Kaiserschnittzahl und Gesamtzahl der Geburten getrennt voneinander zu betrachten.
Eine steigende Kaiserschnittrate sagt außerdem nichts darüber aus, ob einzelne Kaiserschnitte medizinisch notwendig oder vermeidbar waren. Dafür wären wesentlich detailliertere klinische Daten erforderlich.
Für 2026 bleibt daher vor allem spannend, ob sich der historische Höchststand von 33,0 Prozent weiter erhöht oder ob sich die Kaiserschnittrate trotz der weiter sinkenden Geburtenzahlen stabilisiert.
Quellen und weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt: Kaiserschnittrate 2024 mit 33,0 % auf Höchststand
- Statistisches Bundesamt: Geburten 2025 und Geburtenziffer
- Statistisches Bundesamt: Monatliche Geburtenzahlen 2026
- Statistisches Bundesamt: Geburten in Deutschland – Überblick und langfristige Entwicklung
- Statistisches Bundesamt: GENESIS-Online – Geburtenstatistik
