Die deutsche Medizintechnik gehört zu den international bedeutenden Industriezweigen. Von bildgebender Diagnostik über Beatmungs- und Intensivtechnik bis hin zu Implantaten, OP-Systemen und digitalen Lösungen reicht das Spektrum der Branche.
Auch 2026 bleibt Deutschland ein wichtiger MedTech-Standort. Die aktuell verfügbaren Branchenzahlen zeigen allerdings zugleich, wie stark die Unternehmen vom internationalen Geschäft abhängig sind. Rund zwei Drittel des Umsatzes der deutschen Medizintechnik werden im Ausland erzielt.
Für die Marktübersicht 2026 sind vor allem die neuesten vollständigen Branchendaten für 2024 sowie die Geschäftszahlen der Hersteller für 2025 relevant. Eine vollständige Jahresstatistik für 2026 liegt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.
Die wichtigsten Zahlen zur deutschen Medizintechnik
Nach Angaben des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) erwirtschafteten die produzierenden Medizintechnikunternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 41,4 Milliarden Euro.
Berücksichtigt man zusätzlich Kleinstunternehmen, lag der Gesamtumsatz der MedTech-Branche sogar bei rund 55 Milliarden Euro. Insgesamt waren 2024 nach der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung rund 212.100 Menschen in der Medizintechnik beschäftigt.
| Kennzahl | Aktueller Wert |
|---|---|
| Umsatz MedTech-Unternehmen >20 Beschäftigte | ca. 41,4 Mrd. Euro |
| Umsatz inklusive Kleinstunternehmen | ca. 55 Mrd. Euro |
| Auslandsumsatz | ca. 28,2 Mrd. Euro |
| Exportquote | ca. 68 % |
| Beschäftigte laut GGR | ca. 212.100 |
| MedTech-Hersteller >20 Beschäftigte | ca. 1.508 |
| Anteil Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten | 93 % |
| F&E-Aufwand | rund 9 % des Umsatzes |
Die Zahlen zeigen bereits zwei Besonderheiten des deutschen Medizintechnikmarktes: Er ist stark mittelständisch geprägt und gleichzeitig ausgesprochen exportorientiert.
Umsatz: Über 41 Milliarden Euro bei größeren Herstellern
Die produzierenden Medizintechnikunternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten steigerten ihren Umsatz 2024 auf rund 41,4 Milliarden Euro. Das entsprach einem Wachstum von etwa 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Markt ist allerdings breiter, als diese Zahl zunächst vermuten lässt. Werden auch Kleinstunternehmen berücksichtigt, kommt die Branche nach Angaben des BVMed auf einen Gesamtumsatz von rund 55 Milliarden Euro.
Für Marktvergleiche ist deshalb wichtig, genau hinzusehen, welche Unternehmensgruppen und welche Definition von Medizintechnik verwendet werden.
68 Prozent Exportquote: Deutschland ist stark vom Ausland abhängig
Eine der wichtigsten Kennzahlen der Branche ist die Exportquote.
2024 erzielten die deutschen Medizintechnikunternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten einen Auslandsumsatz von rund 28,16 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich eine Exportquote von etwa 68 Prozent.
Damit wird deutlich: Die deutsche Medizintechnik produziert keineswegs ausschließlich für den heimischen Gesundheitsmarkt.
Die wichtigsten Zielregionen waren 2024:
- Europäische Union: 39,6 Prozent
- übriges Europa: 13,8 Prozent
- Nordamerika: 20 Prozent
- Asien: 16 Prozent
Damit entfiel mehr als die Hälfte der Medizintechnikexporte auf Europa. Nordamerika und Asien sind ebenfalls wichtige Absatzmärkte.
Zu den fünf wichtigsten Zielländern gehörten 2024 die USA, die Niederlande, China, Frankreich und die Schweiz.
Warum die Exportquote für 2026 so wichtig ist
Die hohe Exportquote bietet deutschen Herstellern große Chancen. Gleichzeitig erhöht sie die Abhängigkeit von internationalen Entwicklungen.
Dazu gehören beispielsweise Wechselkurse, Handelskonflikte, Zollregelungen, regulatorische Anforderungen und die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Absatzmärkte.
Gerade die USA spielen für viele deutsche MedTech-Unternehmen eine bedeutende Rolle. Änderungen bei Zöllen oder regulatorischen Vorgaben können deshalb direkte Auswirkungen auf Umsatz und Margen haben.
Die Branche muss 2026 daher nicht nur medizinische Innovationen entwickeln, sondern sich auch in einem zunehmend komplexen internationalen Marktumfeld behaupten.
Deutschland bleibt ein wichtiger MedTech-Standort in Europa
Deutschland nimmt innerhalb Europas eine herausragende Stellung ein. Nach Angaben des BVMed kommen mehr als 40 Milliarden Euro des europäischen MedTech-Umsatzes von insgesamt etwa 170 Milliarden Euro aus Deutschland, wenn die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten betrachtet werden. Das entspricht rund einem Viertel des europäischen Marktes.
Die Branche profitiert dabei von einer vergleichsweise breiten industriellen Basis.
Von traditionellen Medizintechnikunternehmen bis zu hoch spezialisierten Hidden Champions gibt es zahlreiche Anbieter für unterschiedliche medizinische Anwendungen.
Mittelstand prägt die Branche
Ein wesentliches Merkmal der deutschen Medizintechnik ist ihre mittelständische Struktur.
Rund 93 Prozent der MedTech-Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.
Das unterscheidet die Branche teilweise von anderen Bereichen der Gesundheitswirtschaft, die stärker von wenigen Großkonzernen geprägt sind.
Viele kleinere und mittlere Unternehmen sind hoch spezialisiert. Sie entwickeln beispielsweise bestimmte Implantate, chirurgische Instrumente, Diagnostiksysteme, Krankenhausausstattung oder Komponenten für komplexe Medizingeräte.
Diese Spezialisierung kann ein Wettbewerbsvorteil sein, macht Unternehmen aber teilweise auch besonders abhängig von einzelnen Märkten, Zulassungen oder Großkunden.
Forschung und Entwicklung als Wettbewerbsvorteil
Medizintechnik ist eine ausgesprochen innovationsintensive Branche.
Nach Angaben des BVMed investieren die MedTech-Unternehmen im Durchschnitt rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung.
Das ist angesichts der kurzen Innovationszyklen und hohen regulatorischen Anforderungen nachvollziehbar.
Neue Produkte müssen nicht nur technisch funktionieren. Sie müssen je nach Produktklasse auch umfangreiche Anforderungen an Sicherheit, Leistungsfähigkeit, klinische Bewertung und regulatorische Konformität erfüllen.
Für Unternehmen bedeutet das hohe Entwicklungs- und Zulassungskosten. Gleichzeitig können erfolgreiche Innovationen einen erheblichen internationalen Wettbewerbsvorteil schaffen.
Die wichtigsten Produktbereiche
Der MedTech-Markt umfasst eine große Zahl unterschiedlicher Produktgruppen.
Dazu gehören unter anderem:
- bildgebende Diagnostik wie CT, MRT und Röntgensysteme
- Ultraschalltechnik
- OP- und chirurgische Systeme
- Implantate und Prothesen
- Beatmungs- und Anästhesietechnik
- Intensivmedizin
- Patientenmonitoring
- Labordiagnostik
- Dialyse- und Blutreinigungstechnik
- Wundversorgung
- Infusionstechnik
- Krankenhausausstattung
- digitale und vernetzte Medizintechnik
Besonders große internationale Marktsegmente sind unter anderem Kardiologie, minimalinvasive Medizin sowie Respiratorik und Anästhesie. Auch Diabetesversorgung, Orthopädie und Ophthalmologie gehören zu den bedeutenden Bereichen.
Top-Hersteller aus Deutschland
Eine einheitliche Rangliste der „größten Medizintechnikhersteller Deutschlands“ ist schwierig, weil Unternehmen unterschiedliche Produktgruppen abdecken und einige Konzerne neben Medizintechnik auch andere Geschäftsbereiche besitzen.
Zu den international besonders bekannten deutschen beziehungsweise in Deutschland stark verankerten Unternehmen gehören unter anderem:
Siemens Healthineers
Siemens Healthineers gehört zu den weltweit führenden Medizintechnikunternehmen und ist insbesondere für bildgebende Diagnostik, Labordiagnostik, Krebsbehandlung und weitere Gesundheitstechnologien bekannt.
Der Konzern erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 18 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich um den weltweiten Konzernumsatz und nicht ausschließlich um in Deutschland erzielten MedTech-Umsatz.
Siemens Healthineers gehört damit hinsichtlich der Unternehmensgröße zu den wichtigsten deutschen Akteuren des internationalen MedTech-Marktes.
Dräger
Dräger ist insbesondere in den Bereichen Anästhesie, Beatmung, Neonatologie, Patientenmonitoring und Krankenhausinfrastruktur aktiv.
2025 erzielte der Dräger-Konzern einen Umsatz von 3,482 Milliarden Euro. Davon entfielen 1,996 Milliarden Euro auf das Segment Medizintechnik. Das Medizintechnikgeschäft wuchs 2025 währungsbereinigt um 7,4 Prozent.
Dräger erwartet für 2026 auf Konzernebene ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 2 bis 6 Prozent.
B. Braun
B. Braun zählt ebenfalls zu den großen deutschen Medizintechnikunternehmen. Das Unternehmen ist unter anderem in den Bereichen Infusionstherapie, chirurgische Versorgung, Anästhesie, Dialyse und klinische Ernährung tätig.
B. Braun ist international stark aufgestellt und erzielt einen großen Teil seines Geschäfts außerhalb Deutschlands.
Ottobock
Ottobock ist vor allem für Prothesen, Orthesen, Neuroorthopädie und Mobilitätslösungen bekannt.
Das Unternehmen nimmt eine besondere Position ein, weil seine Produkte unmittelbar auf Mobilität und Rehabilitation ausgerichtet sind. Ottobock gehört damit zu den international bekanntesten deutschen Herstellern im Bereich orthopädischer Medizintechnik.
Dräger zeigt die Bedeutung des internationalen Geschäfts
Die aktuellen Zahlen von Dräger verdeutlichen, wie international deutsche Medizintechnikunternehmen inzwischen arbeiten.
2025 erzielte der Konzern insgesamt 3,482 Milliarden Euro Umsatz. Auf Deutschland entfielen davon rund 804 Millionen Euro, während beispielsweise Europa, Nahost und Afrika zusammen rund 1,397 Milliarden Euro beitrugen. Auf Amerika entfielen rund 737 Millionen Euro und auf die Region Asien-Pazifik rund 543 Millionen Euro.
Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in mehr als 190 Ländern vertreten.
Damit lässt sich gut nachvollziehen, warum die internationale Wettbewerbsfähigkeit für deutsche MedTech-Hersteller eine so zentrale Rolle spielt.
Die Branche schafft mehr als 210.000 Arbeitsplätze
Medizintechnik ist nicht nur umsatzstark, sondern auch ein wichtiger Arbeitgeber.
Die Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung weist für 2024 rund 212.100 Erwerbstätige in der deutschen Medizintechnik aus. Berücksichtigt man die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungswirkungen der Branche, ergibt sich laut BVMed eine Beschäftigungswirkung von rund 453.000 Erwerbstätigen.
Die Zahlen machen deutlich, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Branche über die unmittelbaren Hersteller hinausgeht.
Bruttowertschöpfung von fast 20 Milliarden Euro
2024 erzielte die deutsche Medizintechnik nach der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung eine Bruttowertschöpfung von 19,7 Milliarden Euro.
Damit lag sie sogar leicht über der Bruttowertschöpfung der Humanarzneimittelindustrie, die mit 17,8 Milliarden Euro angegeben wird.
Berücksichtigt man zusätzlich indirekte und induzierte Effekte, kommt die Medizintechnik laut BVMed auf einen gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfungseffekt von rund 41,3 Milliarden Euro.
Medizintechnikmarkt 2026: Welche Trends sind entscheidend?
Für die weitere Entwicklung des Marktes dürften mehrere Themen besonders wichtig sein.
Digitalisierung
Digitale Prozesse, vernetzte Geräte und datenbasierte Versorgung gewinnen weiter an Bedeutung. Medizingeräte werden zunehmend Bestandteil digitaler Krankenhaus- und Versorgungssysteme.
Künstliche Intelligenz
KI kann unter anderem bei Bildanalyse, Diagnostik, Planung von Eingriffen und der Auswertung medizinischer Daten eingesetzt werden. Für Hersteller entstehen dadurch neue Marktchancen, gleichzeitig aber auch zusätzliche Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Regulierung.
Ambulantisierung
Wenn mehr medizinische Leistungen ambulant erbracht werden, verändert sich auch die Nachfrage nach Medizintechnik. Mobile, kompakte und effizient einsetzbare Systeme können dadurch wichtiger werden.
Demografischer Wandel
Die alternde Bevölkerung erhöht langfristig den Bedarf an Diagnostik, Implantaten, orthopädischen Produkten, Rehabilitation und anderen medizinischen Technologien.
Regulierung
Die europäische Medizinprodukteverordnung stellt Unternehmen vor hohe Anforderungen. Gerade kleinere Hersteller müssen erhebliche Ressourcen für Zulassung, Dokumentation, klinische Bewertung und Qualitätsmanagement einplanen.
Weltmarkt wächst weiter
Auch international wird mit weiterem Wachstum gerechnet.
Der BVMed verweist auf eine Prognose von Frost & Sullivan, wonach der globale Medizintechnikmarkt bis 2029 in einem konservativen Szenario jährlich um durchschnittlich 6,7 Prozent wachsen könnte. Das würde einem Weltmarktvolumen von etwa 810 Milliarden US-Dollar entsprechen. In einem ambitionierteren Szenario werden 858 Milliarden US-Dollar beziehungsweise ein jährliches Wachstum von 7,9 Prozent prognostiziert.
Nordamerika bleibt dabei der größte Absatzmarkt mit einem Anteil von rund 38 Prozent.
Für deutsche Hersteller bedeutet das erhebliche Wachstumschancen, aber auch einen intensiven internationalen Wettbewerb.
Marktübersicht Medizintechnik 2026: Die wichtigsten Kennzahlen
Zusammengefasst ergibt sich für den deutschen MedTech-Standort folgendes Bild:
- 41,4 Milliarden Euro: Umsatz der produzierenden MedTech-Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten im Jahr 2024.
- 55 Milliarden Euro: Gesamtumsatz einschließlich Kleinstunternehmen.
- 28,2 Milliarden Euro: Auslandsumsatz der größeren MedTech-Hersteller.
- 68 Prozent: Exportquote.
- 212.100: Erwerbstätige laut Gesundheitswirtschaftlicher Gesamtrechnung.
- 93 Prozent: Anteil der Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten.
- 9 Prozent: durchschnittlicher Umsatzanteil für Forschung und Entwicklung.
- 19,7 Milliarden Euro: direkte Bruttowertschöpfung der Medizintechnik.
- 1.508: Medizintechnik-Hersteller mit mehr als 20 Beschäftigten.
- rund 25 Prozent: Anteil Deutschlands am europäischen MedTech-Markt nach der vom BVMed verwendeten Umsatzabgrenzung.
Fazit: Deutschland bleibt ein MedTech-Schwergewicht
Die Marktübersicht 2026 zeigt eine wirtschaftlich starke und international ausgerichtete deutsche Medizintechnikbranche.
Mit mehr als 41 Milliarden Euro Umsatz bei den größeren Herstellern, rund 68 Prozent Exportquote und mehr als 210.000 Beschäftigten ist MedTech ein wichtiger Bestandteil des Industriestandorts Deutschland. Gleichzeitig ist die Branche stark mittelständisch geprägt: 93 Prozent der Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.
Zu den bekanntesten großen Akteuren zählen Siemens Healthineers, Dräger, B. Braun und Ottobock. Daneben existiert eine große Zahl spezialisierter mittelständischer Hersteller und Hidden Champions.
2026 stehen insbesondere Digitalisierung, künstliche Intelligenz, demografischer Wandel, Ambulantisierung und internationale Handelsbedingungen im Mittelpunkt. Für deutsche Hersteller wird entscheidend sein, ihre Innovationskraft mit wettbewerbsfähigen Produktionsbedingungen und einer erfolgreichen internationalen Marktstrategie zu verbinden.
Die verfügbaren Zahlen sprechen dabei für einen weiterhin bedeutenden Standort: Deutschland bleibt einer der wichtigsten MedTech-Märkte Europas und zugleich ein bedeutender Exportstandort für medizinische Technologien.
