Patientenmonitoring & Telemedizin in Zahlen Vernetzte Medizin-Elektronik im Krankenhaus & zu Hause 2026

Patientenmonitoring & Telemedizin in Zahlen: Vernetzte Medizin-Elektronik im Krankenhaus & zu Hause 2026

Patientenmonitoring und Telemedizin gehören 2026 zu den wichtigsten Anwendungsfeldern der vernetzten Medizinelektronik. Während Patienten im Krankenhaus traditionell über zentrale Monitore, EKG-Systeme, Pulsoximeter und Blutdruckmessgeräte überwacht werden, verlagert sich ein Teil dieser Überwachung zunehmend nach Hause.

Wearables, medizinische Sensoren, Telemonitoring-Plattformen und elektronische Patientenakten verbinden dabei Patientinnen und Patienten mit Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Leistungserbringern. Die Entwicklung ist auch deshalb interessant, weil Deutschland mit rund 17,5 Millionen stationären Krankenhausfällen im Jahr 2024 ein sehr großes Versorgungssystem digital vernetzen muss. Destatis

Vernetzte Medizin 2026: Die wichtigsten Zahlen

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens hat 2026 eine neue Größenordnung erreicht. Der aktuelle TI-Atlas der gematik basiert auf Befragungen von rund 5.000 medizinischen Einrichtungen und 1.400 Versicherten. Danach sind digitale Anwendungen inzwischen deutlich stärker im Versorgungsalltag verankert. Gematik

Kennzahl Wert 2026
Befragte Einrichtungen im TI-Atlas ca. 5.000
Befragte Versicherte ca. 1.400
Krankenhäuser in Deutschland 1.841
Stationäre Krankenhausfälle 2024 ca. 17,5 Mio.
Krankenhäuser mit ePA-Nutzung ca. 50 %
Arztpraxen mit intensiver ePA-Nutzung knapp 70 %
Versicherte, die Zugriff behandelnder Einrichtungen auf Daten befürworten ca. 80 %
ePA-Dokumente Mitte April 2026 >100 Mio.
Wöchentliche Abrufe von Medikationslisten >21 Mio.

Die Zahlen zeigen, dass vernetzte Medizin inzwischen nicht mehr nur aus einzelnen Pilotprojekten besteht. Vielmehr entsteht schrittweise eine digitale Infrastruktur, auf der auch modernes Patientenmonitoring und Telemedizin aufbauen können.

Patientenmonitoring im Krankenhaus

Im Krankenhaus werden Patienten bereits seit Jahren elektronisch überwacht. Zu den wichtigsten Parametern gehören Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Atemfrequenz und Temperatur.

Auf Intensivstationen und in anderen besonders überwachten Bereichen werden diese Werte kontinuierlich erfasst. Moderne Systeme können Veränderungen automatisch erkennen und das Personal über Alarme informieren.

Die Herausforderung besteht dabei nicht mehr nur darin, möglichst viele Daten zu erfassen. Entscheidend ist vielmehr, relevante Veränderungen zuverlässig aus großen Datenmengen herauszufiltern.

Künstliche Intelligenz und intelligente Algorithmen könnten hier künftig eine größere Rolle spielen. Laut TI-Atlas 2026 setzt bereits etwa die Hälfte der befragten Einrichtungen erste KI-Anwendungen ein, wobei aktuell vor allem administrative und organisatorische Anwendungen dominieren. Gematik

17,5 Millionen Krankenhausfälle als Digitalisierungstreiber

Die Größenordnung des deutschen Krankenhauswesens macht die Bedeutung vernetzter Medizin deutlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es 2024 rund 17,55 Millionen stationäre Behandlungsfälle. Gleichzeitig existierten 1.841 Krankenhäuser mit insgesamt rund 472.851 aufgestellten Betten. Destatis

Die durchschnittliche Verweildauer lag 2024 bei etwa 7,1 Tagen. Damit besteht ein erheblicher Bedarf an effizienten Informations- und Überwachungssystemen, insbesondere wenn Patienten möglichst sicher früher aus dem Krankenhaus entlassen werden sollen.

Destatis – Krankenhäuser in Deutschland

Elektronische Patientenakte als Basis der Vernetzung

Ein wichtiger Baustein der vernetzten Medizin ist die elektronische Patientenakte (ePA). Sie ist zwar kein Patientenmonitor im engeren Sinne, bildet aber eine wichtige digitale Verbindung zwischen verschiedenen Versorgungseinrichtungen.

Im April 2026 meldete die gematik mehr als 100 Millionen in der ePA hinterlegte Dokumente. Dazu gehörten Befunde, Laborberichte und Arztbriefe. Zusätzlich wurden durchschnittlich mehr als 21 Millionen Medikationslisten pro Woche abgerufen. Bis zu 93.000 Arzt- und Zahnarztpraxen griffen wöchentlich auf die ePA ihrer Patienten zu. Gematik

Damit entsteht eine wichtige Voraussetzung für Telemedizin: Messwerte und medizinische Informationen können zunehmend digital verfügbar gemacht und sektorenübergreifend genutzt werden.

gematik – ePA: Mehr als 100 Millionen Dokumente 2026

Wie stark wird die ePA im Krankenhaus genutzt?

Die Einführung der ePA verläuft in Krankenhäusern nicht überall gleich schnell. Eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts unter 489 Krankenhäusern zeigte Anfang 2026, dass 57 Prozent erwarteten, die ePA noch im ersten Halbjahr 2026 im gesamten Krankenhaus nutzen zu können.

Rund ein Viertel plante die krankenhausweite Nutzung für das dritte Quartal und etwa ein Fünftel erst für das vierte Quartal 2026. Gleichzeitig hatten bereits 90 Prozent der befragten Krankenhäuser mit der technischen Inbetriebnahme im führenden Krankenhausinformationssystem begonnen. Deutsches Krankenhaus Institut

Das zeigt: Die technische Vernetzung nimmt deutlich zu, befindet sich in vielen Häusern aber weiterhin in einer Übergangsphase.

Telemedizin verlagert Monitoring nach Hause

Besonders interessant wird die Entwicklung, wenn medizinische Überwachung nicht mehr zwingend an einen Krankenhausaufenthalt gebunden ist.

Beim Telemonitoring können beispielsweise Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Gewicht oder andere relevante Werte regelmäßig zu Hause erfasst und an medizinische Einrichtungen übermittelt werden.

Das Konzept kann für chronisch kranke Patienten ebenso interessant sein wie für Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt noch überwacht werden müssen.

Ein aktuelles Beispiel ist das Konzept Hospital@Home. Dabei können bestimmte Patienten früher aus dem Krankenhaus entlassen werden, während ein medizinisches Wearable ihre Vitaldaten kontinuierlich erfasst und diese im Krankenhaus überwacht werden. BVMed

Hospital@Home: Krankenhausversorgung zu Hause

Das Prinzip lässt sich vereinfacht so darstellen:

Patient zu Hause → medizinischer Sensor → sichere Datenübertragung → Telemonitoring-Plattform → medizinisches Personal → Intervention bei Auffälligkeiten

Damit wird das Zuhause zu einem zusätzlichen Versorgungsort.

Der entscheidende Vorteil liegt nicht unbedingt darin, sämtliche Krankenhausleistungen nach Hause zu verlagern. Vielmehr können Patienten, die medizinisch bereits stabil sind, aber noch überwacht werden müssen, unter bestimmten Voraussetzungen früher entlassen werden.

Das könnte langfristig helfen, stationäre Ressourcen effizienter einzusetzen.

Telemonitoring bei chronischen Erkrankungen

Ein besonders großes Einsatzgebiet liegt bei chronischen Erkrankungen. Dazu zählen unter anderem:

  • Herzinsuffizienz
  • Herzrhythmusstörungen
  • Diabetes
  • chronische Lungenerkrankungen
  • Bluthochdruck
  • postoperative Überwachung
  • Rehabilitation
  • geriatrische Versorgung

Hier ist der kontinuierliche Verlauf häufig aussagekräftiger als eine einzelne Messung beim Arzt.

Beispielsweise kann eine Gewichtszunahme bei einem Patienten mit Herzinsuffizienz zusammen mit anderen Vitalparametern auf eine gesundheitliche Verschlechterung hinweisen. Ein Telemonitoring-System kann solche Veränderungen früher sichtbar machen.

Telemedizin ist mehr als Videosprechstunde

Der Begriff Telemedizin wird häufig mit Videosprechstunden gleichgesetzt. Technisch betrachtet ist das jedoch nur ein Teilbereich.

Zur vernetzten Telemedizin gehören beispielsweise:

  1. Videosprechstunden
  2. Telekonsile zwischen Ärzten
  3. Telemonitoring
  4. Übertragung von Vitaldaten
  5. digitale Nachsorge
  6. Fernüberwachung von Implantaten
  7. digitale Therapieprogramme
  8. elektronische Kommunikation medizinischer Dokumente

Gerade das Telemonitoring verbindet Telemedizin unmittelbar mit Medizin-Elektronik.

Vernetzte Geräte und medizinische Sensoren

Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, dass medizinische Geräte nicht mehr isoliert arbeiten.

Ein moderner Sensor kann beispielsweise Vitalwerte erfassen, über Bluetooth oder eine andere Verbindung an ein Smartphone oder Gateway übertragen und anschließend an eine zentrale Plattform weiterleiten.

Dort können Algorithmen die Daten analysieren. Bei auffälligen Veränderungen kann anschließend eine Benachrichtigung an medizinisches Personal erfolgen.

Damit entsteht eine digitale Kette:

Sensor → Konnektivität → Datenplattform → Analyse → Alarm → medizinische Entscheidung

Diese Verbindung zwischen Hardware, Software und medizinischer Versorgung ist einer der wichtigsten Trends der Medizinelektronik 2026.

Welche Rolle spielt die Telematikinfrastruktur?

Die Telematikinfrastruktur (TI) bildet in Deutschland einen wichtigen technischen Rahmen für den sicheren Austausch medizinischer Informationen.

Laut TI-Atlas 2026 geben mehr als zwei Drittel der befragten Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäuser an, dass sich der Austausch von Gesundheitsdaten durch die TI verbessert hat. In Krankenhäusern liegt die Zustimmung zur Verbesserung der Versorgung sogar bei 94 Prozent. Gematik

Auch der sektorenübergreifende Austausch gewinnt an Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet von Verbesserungen beim Austausch zwischen unterschiedlichen Versorgungsbereichen. Gematik

gematik – TI-Atlas 2026

Patientenakzeptanz für vernetzte Medizin

Technik allein reicht jedoch nicht aus. Patienten müssen bereit sein, medizinische Daten digital erfassen und übertragen zu lassen.

Hier zeigen die aktuellen Zahlen grundsätzlich eine positive Entwicklung. Rund 80 Prozent der Versicherten befürworten laut TI-Atlas 2026, dass behandelnde Einrichtungen bei Bedarf auf medizinische Informationen zugreifen können, sofern kein Widerspruch vorliegt. Gematik

Das spricht für eine relativ hohe grundsätzliche Akzeptanz digitaler Gesundheitsdaten.

Gleichzeitig bleiben Datenschutz und Datensicherheit wichtige Voraussetzungen. Besonders beim kontinuierlichen Monitoring entstehen große Mengen hochsensibler Gesundheitsdaten.

Datenschutz wird wichtiger

Je mehr Sensoren eingesetzt werden, desto größer wird die Menge der erfassten Daten.

Ein stationärer Blutdruckwert liefert eine einzelne Momentaufnahme. Ein vernetztes Gerät kann dagegen über Wochen oder Monate zahlreiche Messwerte erzeugen.

Das ermöglicht eine wesentlich bessere Verlaufskontrolle, erhöht aber gleichzeitig die Anforderungen an:

  • Datenschutz
  • Verschlüsselung
  • Zugriffskontrolle
  • Datensicherheit
  • Interoperabilität
  • zuverlässige Datenübertragung
  • medizinische Validierung

Vernetzte Medizin muss daher nicht nur technisch funktionieren, sondern auch vertrauenswürdig sein.

Telemonitoring könnte Krankenhausaufenthalte verkürzen

Ein wesentlicher wirtschaftlicher und medizinischer Vorteil liegt in der möglichen Verlagerung bestimmter Überwachungsleistungen aus dem Krankenhaus in das häusliche Umfeld.

Gerade vor dem Hintergrund von Personalmangel und begrenzten Bettenkapazitäten ist dies interessant.

2024 standen in Deutschland rund 473.000 Krankenhausbetten zur Verfügung, während gleichzeitig etwa 17,5 Millionen stationäre Fälle behandelt wurden. Destatis

Telemonitoring kann dabei nicht jeden stationären Aufenthalt ersetzen. Für ausgewählte Patientengruppen könnte es jedoch ermöglichen, die klassische Krankenhausversorgung mit einer überwachten Versorgung zu Hause zu kombinieren.

Mobile Versorgung wird 2026 ausgebaut

Auch die technische Infrastruktur für mobile Versorgung entwickelt sich weiter. Die gematik startete 2026 die schrittweise Einführung von PoPP. Das System soll unter anderem mobile Versorgungsszenarien wie Haus- und Heimbesuche unterstützen und den Zugriff auf TI-Anwendungen ermöglichen. Fachportal Gematik

Damit wird die Vernetzung nicht mehr ausschließlich auf Krankenhäuser und Arztpraxen ausgerichtet. Auch mobile Versorgungssituationen werden zunehmend Bestandteil der digitalen Gesundheitsinfrastruktur.

Patientenmonitoring & Telemedizin 2026: Statistik-Tabelle

Bereich Kennzahl
Krankenhäuser Deutschland 1.841
Stationäre Fälle 2024 ca. 17,5 Mio.
Krankenhausbetten 2024 ca. 472.851
Durchschnittliche Verweildauer 7,1 Tage
Krankenhäuser mit ePA-Nutzung 2026 ca. 50 %
Arztpraxen mit intensiver ePA-Nutzung knapp 70 %
ePA-Dokumente April 2026 >100 Mio.
Medikationslisten-Abrufe pro Woche >21 Mio.
Wöchentliche ePA-Zugriffe durch Arztpraxen bis zu 93.000
Versicherte, die Datenzugriff durch Behandelnde befürworten ca. 80 %
Krankenhäuser mit positiver Einschätzung der TI für die Versorgung 94 %

Fazit: Die Grenze zwischen Krankenhaus und Zuhause verschiebt sich

Patientenmonitoring und Telemedizin entwickeln sich 2026 von einzelnen digitalen Zusatzangeboten zu einem wichtigen Bestandteil der vernetzten Medizin. Im Krankenhaus sorgen elektronische Monitoring-Systeme für eine kontinuierliche Überwachung, während Wearables und medizinische Sensoren zunehmend ermöglichen, bestimmte Messungen auch außerhalb der Klinik durchzuführen.

Deutschland verfügt mit der Telematikinfrastruktur und der elektronischen Patientenakte inzwischen über zentrale Bausteine für diese Entwicklung. Mehr als 100 Millionen Dokumente in der ePA und mehr als 21 Millionen wöchentliche Abrufe von Medikationslisten zeigen, dass digitale Gesundheitsdaten zunehmend im Versorgungsalltag ankommen. Gematik

Der nächste große Schritt dürfte deshalb die Verknüpfung von elektronischer Patientenakte, medizinischen Sensoren, Telemonitoring und intelligenter Datenanalyse sein. Damit könnte sich die klassische Versorgung langfristig von einem Modell „Patient kommt zum Arzt oder ins Krankenhaus“ zu einem stärker vernetzten Modell entwickeln, bei dem medizinische Daten den Patienten auch zu Hause begleiten.

Quellen