Pflegenotstand in Zahlen 2026 So akut ist der Fachkräftemangel in Krankenhäusern

Pflegenotstand in Zahlen 2026: So akut ist der Fachkräftemangel in Krankenhäusern

Der Pflegenotstand gehört auch 2026 zu den größten Herausforderungen des deutschen Gesundheitswesens. Krankenhäuser beschäftigen zwar mehr Pflegekräfte als noch vor einigen Jahren, gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Versorgung und der demografische Wandel verschärft die Situation.

Die aktuelle Statistik zeigt deshalb ein widersprüchliches Bild: Die Zahl der Beschäftigten wächst, doch der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal bleibt hoch. Besonders relevant sind dabei nicht nur die absolute Zahl der Pflegekräfte, sondern auch Vollzeitäquivalente, Altersstruktur, Teilzeitquoten, offene Stellen und die zukünftige Entwicklung des Pflegekräftebedarfs.

Für die Einordnung im Jahr 2026 sind vor allem die aktuell verfügbaren Daten für 2024 wichtig. Eine vollständige Krankenhaus-Personalstatistik für das laufende Jahr 2026 liegt naturgemäß noch nicht vor.

Wie viele Pflegekräfte arbeiten in deutschen Krankenhäusern?

Zum Jahresende 2024 waren in deutschen Krankenhäusern rund 553.400 Personen im Pflegedienst beschäftigt. Damit stellte die Pflege den mit Abstand größten Bereich innerhalb des nichtärztlichen Krankenhauspersonals dar. Sie machte 44,6 Prozent des nichtärztlichen Dienstes aus.

Insgesamt beschäftigten die Krankenhäuser Ende 2024 rund 1,46 Millionen Menschen. Davon entfielen etwa 217.700 auf den ärztlichen Dienst und rund 1,24 Millionen auf den nichtärztlichen Dienst.

Kennzahl Aktueller Wert
Pflegepersonal in Krankenhäusern ca. 553.400 Beschäftigte
Nichtärztliches Personal insgesamt ca. 1,24 Mio.
Ärztliches Personal ca. 217.700
Vollzeitäquivalente Krankenhäuser insgesamt ca. 1,015 Mio.
Stationäre Krankenhausfälle 2024 ca. 17,55 Mio.
Krankenhäuser 1.841

Die Zahlen machen deutlich, dass Pflege einen enormen Anteil der personellen Ressourcen eines Krankenhauses bindet.

Mehr Personal – aber reicht das aus?

Eine wichtige Entwicklung wird bei einem Blick auf die vergangenen Jahre sichtbar: Die Zahl der Beschäftigten in deutschen Krankenhäusern ist gestiegen.

2024 waren rund 38.000 Personen beziehungsweise 2,9 Prozent mehr Beschäftigte in Krankenhäusern tätig als im Vorjahr. Auch die Zahl der Pflegekräfte ist langfristig gewachsen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Pflegenotstand überwunden wäre.

Ein Grund dafür ist die zunehmende Teilzeitbeschäftigung. Die Zahl der Köpfe kann deutlich steigen, während die Zahl der tatsächlich verfügbaren Arbeitsstunden wesentlich langsamer wächst. Deshalb sind Vollzeitäquivalente für die Beurteilung der Personalsituation besonders wichtig.

Warum Vollzeitäquivalente entscheidend sind

Eine Pflegekraft, die 50 Prozent arbeitet, wird in einer reinen Beschäftigtenstatistik genauso als eine Person gezählt wie eine Vollzeitkraft.

Für die tatsächliche Versorgung ist jedoch entscheidend, wie viele Arbeitsstunden zur Verfügung stehen.

Das Statistische Bundesamt weist deshalb zusätzlich sogenannte Vollzeitäquivalente aus. Dabei werden unterschiedliche Arbeitszeitmodelle rechnerisch auf Vollzeitstellen umgerechnet.

Für die Krankenhäuser insgesamt wurde 2024 erstmals seit Beginn der Krankenhausstatistik die Marke von einer Million Vollzeitäquivalenten überschritten. Insgesamt waren es rund 1,015 Millionen Vollzeitäquivalente, davon etwa 834.400 im nichtärztlichen Dienst.

Damit zeigt sich: Das Krankenhauspersonal wächst nicht nur in absoluten Köpfen, sondern auch bei der auf Vollzeit umgerechneten Arbeitsleistung.

Pflege bleibt der personalintensivste Bereich

Innerhalb des nichtärztlichen Personals ist der Pflegedienst besonders bedeutend.

Ende 2024 waren rund 553.400 Personen im Pflegedienst der Krankenhäuser beschäftigt. Damit entfiel fast die Hälfte des nichtärztlichen Krankenhauspersonals auf diesen Bereich.

Zum nichtärztlichen Personal gehören allerdings noch zahlreiche weitere Berufsgruppen, beispielsweise medizinisch-technische Dienste, Funktionsdienste, Verwaltung, therapeutische Berufe und weitere Beschäftigte.

Die Pflege ist deshalb nicht nur wegen des Fachkräftemangels zentral, sondern auch wegen ihres hohen Anteils am gesamten Personalbedarf eines Krankenhauses.

Pflegehelfer wachsen schneller als examinierte Pflegekräfte

Eine interessante Entwicklung zeigt sich beim Vergleich verschiedener Qualifikationsgruppen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen sowie ambulanten und (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen 2024 insgesamt um 3,4 Prozent beziehungsweise 49.000 Personen.

Dabei nahm die Zahl der Pflegehelferinnen und Pflegehelfer mit 5,2 Prozent stärker zu als die Zahl der examinierten Pflegekräfte, die um 2,6 Prozent wuchs. Insgesamt gab es rund 485.000 Pflegehelferinnen und Pflegehelfer sowie rund eine Million examinierte Pflegekräfte in diesen Einrichtungen.

Diese Entwicklung ist für Krankenhäuser relevant, weil unterschiedliche Qualifikationsniveaus verschiedene Aufgaben übernehmen können. Gleichzeitig lässt sich aus der Gesamtzahl nicht ableiten, dass alle Einrichtungen und Stationen ausreichend mit qualifizierten Pflegefachkräften besetzt sind.

Warum der Fachkräftemangel trotzdem akut bleibt

Der Pflegearbeitsmarkt wird von zwei Seiten unter Druck gesetzt.

Auf der einen Seite steigt beziehungsweise bleibt der Bedarf an Pflegepersonal hoch. Auf der anderen Seite gehen viele Beschäftigte aus Altersgründen in den Ruhestand.

Hinzu kommen Faktoren wie Teilzeit, Berufswechsel, krankheitsbedingte Ausfälle und die hohe Arbeitsbelastung. Dadurch kann selbst bei steigenden Beschäftigtenzahlen ein erheblicher Fachkräfteengpass bestehen bleiben.

Die Bundesagentur für Arbeit stuft Pflegeberufe bereits seit Jahren als Engpassberufe ein. Fachkräfteengpässe werden dabei anhand verschiedener Arbeitsmarktindikatoren bewertet, unter anderem anhand von Vakanzzeiten, Arbeitslosen-Stellen-Relation und weiteren Merkmalen.

Demografischer Wandel verschärft die Situation

Der Fachkräftemangel ist nicht nur ein kurzfristiges Problem.

Die Bevölkerung wird älter. Dadurch steigt langfristig der Bedarf an Pflege und medizinischer Versorgung. Gleichzeitig erreicht ein Teil der heute beschäftigten Pflegekräfte in den kommenden Jahren das Rentenalter.

Das Statistische Bundesamt hat deshalb eine spezielle Pflegekräftevorausberechnung erstellt, die den Zeitraum von 2024 bis 2049 betrachtet. Dabei werden sowohl das mögliche Pflegekräfteangebot als auch die Entwicklung der Nachfrage berücksichtigt. In die Nachfrageberechnung fließen unter anderem die erwartete Entwicklung der Pflegebedürftigkeit und der Krankenhausfälle ein.

Damit wird deutlich: Die Personalfrage in der Pflege ist nicht nur eine Momentaufnahme des Jahres 2026, sondern eine langfristige strukturelle Herausforderung.

Besonders problematisch: Fachkräfte lassen sich nicht kurzfristig ersetzen

Bei einem akuten Personalmangel kann ein Unternehmen theoretisch zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. In der professionellen Pflege funktioniert das nur eingeschränkt.

Eine examinierte Pflegefachkraft benötigt eine entsprechende Ausbildung und Qualifikation. Hinzu kommen teilweise spezielle Kompetenzen für Intensivpflege, Anästhesie, Psychiatrie, Pädiatrie oder andere Fachbereiche.

Deshalb kann ein Krankenhaus nicht einfach jede unbesetzte Pflegefachkraftstelle kurzfristig mit einer beliebigen Arbeitskraft besetzen.

Genau hier liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen einem allgemeinen Personalmangel und einem Fachkräftemangel.

Der Personalmangel kann Krankenhausstationen direkt beeinflussen

Fehlen Pflegefachkräfte, kann dies Auswirkungen auf die Organisation des Krankenhausbetriebs haben.

Mögliche Folgen sind beispielsweise:

  • gesperrte oder vorübergehend nicht belegbare Betten,
  • reduzierte Stationskapazitäten,
  • Schwierigkeiten bei der Dienstplanung,
  • höhere Belastung für vorhandene Beschäftigte,
  • mehr Überstunden,
  • Einschränkungen bei der Aufnahme zusätzlicher Patienten,
  • längere Wartezeiten in bestimmten Bereichen.

Dabei gilt: Nicht jede Einschränkung einer Krankenhausstation ist automatisch auf Personalmangel zurückzuführen. Auch bauliche, organisatorische oder medizinische Faktoren können eine Rolle spielen.

Besonders sensibel ist die Intensivpflege

Auf Intensivstationen ist der Personalbedarf besonders hoch.

Die Versorgung schwer kranker Patienten erfordert eine engmaschige Überwachung und entsprechend qualifiziertes Personal. Ein vorhandenes Intensivbett bedeutet deshalb nicht automatisch, dass es jederzeit unabhängig von der Personalsituation betrieben werden kann.

Deutschland verfügte 2024 über rund 25.956 Intensivbetten. Insgesamt gab es 472.851 aufgestellte Krankenhausbetten.

Die reine Bettenzahl sagt daher nur einen Teil über die tatsächliche Versorgungskapazität aus. Personal ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass vorhandene Kapazitäten auch tatsächlich genutzt werden können.

17,5 Millionen Patienten treffen auf eine angespannte Personalsituation

2024 wurden in deutschen Krankenhäusern rund 17,5 Millionen stationäre Behandlungsfälle registriert. Gleichzeitig gab es rund 553.400 Beschäftigte im Pflegedienst.

Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht einfach gegeneinander aufrechnen. Eine Pflegekraft betreut nicht nur einen Patienten pro Jahr, sondern viele Patienten nacheinander. Außerdem unterscheiden sich Pflegeaufwand und Personalbedarf je nach Station und Erkrankung erheblich.

Ein Patient auf einer normalen chirurgischen Station benötigt eine andere Betreuungsintensität als ein schwerstkranker Patient auf einer Intensivstation.

Weniger Krankenhausfälle lösen den Pflegenotstand nicht automatisch

Interessant ist auch die Entwicklung der Patientenzahlen.

2024 wurden 17,5 Millionen stationäre Fälle gezählt. Das waren zwar 2,0 Prozent mehr als 2023, aber noch rund 9,6 Prozent weniger als 2019.

Trotz dieser niedrigeren Fallzahlen bleibt der Pflegebedarf hoch.

Das liegt unter anderem daran, dass die Anzahl der Patienten allein nicht entscheidend ist. Alter, Erkrankungsschwere, Pflegeintensität, Aufenthaltsdauer und organisatorische Abläufe beeinflussen den Personalbedarf.

Eine geringere Zahl stationärer Fälle bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Krankenhäuser weniger Pflegepersonal benötigen.

Fachkräftemangel 2026: Die wichtigsten Zahlen

Für einen schnellen Überblick lassen sich die aktuellen Daten so zusammenfassen:

553.400 Pflegekräfte: So viele Personen waren Ende 2024 im Pflegedienst deutscher Krankenhäuser beschäftigt.

1,24 Millionen Beschäftigte: So groß war der nichtärztliche Dienst insgesamt.

1,015 Millionen Vollzeitäquivalente: Erstmals wurde 2024 in deutschen Krankenhäusern die Marke von einer Million Vollzeitäquivalenten überschritten.

17,5 Millionen stationäre Fälle: So viele Behandlungen wurden 2024 registriert.

25.956 Intensivbetten: Diese Zahl weist die Krankenhausstatistik für 2024 aus.

2049: Bis zu diesem Jahr reicht die aktuelle Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes.

Was muss sich ändern?

Eine nachhaltige Lösung des Pflegenotstands wird wahrscheinlich mehrere Maßnahmen benötigen.

Dazu gehören eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, attraktive Arbeitsbedingungen, verlässliche Dienstpläne und Möglichkeiten, die Arbeitszeit bei Bedarf flexibel zu gestalten.

Auch Ausbildung und Weiterbildung spielen eine wichtige Rolle. Ebenso kann die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse dazu beitragen, zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen.

Entscheidend ist jedoch, neue Beschäftigte nicht nur zu gewinnen, sondern langfristig im Beruf zu halten. Wenn erfahrene Pflegekräfte aufgrund dauerhaft hoher Belastung den Beruf verlassen oder ihre Arbeitszeit reduzieren, kann ein Teil des Personalzuwachses wieder verloren gehen.

Fazit: Wie akut ist der Pflegenotstand 2026?

Der Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beschreiben. Die aktuellen Statistiken zeigen vielmehr ein komplexes Bild.

Einerseits steigt die Zahl der Beschäftigten. 2024 wuchs die Zahl der Krankenhausbeschäftigten um 2,9 Prozent, und erstmals wurde bei den Vollzeitäquivalenten die Marke von einer Million überschritten. Auch die Zahl der Pflegekräfte ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Andererseits bleibt der Fachkräftebedarf hoch. Die Pflege ist ein ausgewiesener Engpassbereich des deutschen Arbeitsmarktes, während gleichzeitig die Alterung der Bevölkerung und die bevorstehenden Ruhestandsabgänge vieler Beschäftigter zusätzlichen Druck erzeugen.

2026 steht Deutschland deshalb weniger vor der Frage, ob es überhaupt mehr Pflegepersonal braucht, sondern vor der Herausforderung, ausreichend qualifizierte Pflegefachkräfte zu gewinnen, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und sie langfristig im Beruf zu halten.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der bisherige Personalaufbau ausreicht oder ob der Abstand zwischen Angebot und Bedarf weiter wächst.

Quellen und weiterführende Informationen